Aufsatztraining mit Kindern

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(C) Sandra Gau

Kreativ in den Aufsätzen schreiben zu lernen, obendrein darin den nötigen Pfiff zu verleihen, fällt vielen Schülern schwer. In diesem Schwerpunkt den eigenen Kindern hilfreich zur Seite zu stehen, lässt so einige Eltern schier verzweifeln, zumal die Sprache im ständigen Wandel steht. Zudem mischt sich währenddessen die Umgangssprache mit der Schriftsprache. Wörter wie selber - selbst  oder kriegen - erhalten ist so manchen weniger in der Differenzierung bekannt. Doch mit kleinen Schritten kann man sich einen Weg in die kreative Schriftsprache bahnen.

 

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»Ich war ein junges Mädchen, beinahe noch ein Kind, meine traumhaften Ansichten wechselten wie Aprilwetter; aber eines stand immer klar und felsenfest in mir: die Überzeugung, dass ich nicht über die Erde schreiten werde, ohne ihr eine wenigstens leise Spur meiner Schritte eingeprägt zu haben.«

 

Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916), österreichische Schriftstellerin

 

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Auseinandersetzung mit fremden Texten

Das tägliche Lesen ist die allerwichtigste Methode, um die deutsche Sprache zu schulen. Dabei fließt die Rechtschreibung und die Entwicklung des eigenen Stils gleichermaßen hinein. Die Auswahl der Literatur ist dabei ebenso von großer Bedeutung. Bücher aus der Zeit vor 2006 gelten als absolutes Tabu, da sich die Jungen und Mädchen die Schriftbilder einprägen und somit Probleme in der Orthografie (Rechtschreibung) bekommen.

Der Stil entwickelt sich durch das Lesen und durch das eigene Ausprobieren. Während des Ausprobierens müssen die Lernenden einfach eine Episode einer Geschichte herausnehmen und untersuchen. Dabei könnten folgende Fragen weiterhelfen:

 

  • Welche Verben hat der Autor benutzt?
  • Welche könnten noch passen?
  • Welche Adjektive wurden benutzt?
  • Passen auch andere Adjektive?
  • Welche Wörter oder vielleicht auch Wortgruppen gestalten dieses Episode spannend (oder eventuell humorvoll)?
  • Was würde bei mir in der Situation passieren?

 

So und ähnlich können die Kinder von zu Hause aus gefördert werden.


Auseinandersetzung mit eigenen kreativen Texten

Bevor ganze Texte entstehen, helfen Sprachspiele. Sie gehören zu den besten Methoden, ein Kind spielerisch an seinen Wortschatz heranzuführen.

 

  • Wörter erst vorwärts, dann rückwärts lesen
  • Wörter finden, die vorwärts und rückwärts gleich klingen wie Anna oder Otto
  • Stadt-Land-Fluss
  • Galgenraten -manche nennen es auch Blümchenraten-
  • Reimen mit der ganzen Familie
  • Scrabbel
  • Wortissimo
  • Rätsel aller Art
  • oder »Wer wird Wortstamm-Profi?«

 

Wortspiele erweitern das Vokabular. Die regelmäßige Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache ist Teil eines Aufsatztrainings, umso schneller und besser gelingt es den Schülern sich kreativ mit ihren eigenen Texten zu beschäftigen.

 

Eine Beispielsituation:

Ein Lernender hat einen Bericht verfasst Am liebsten wendet er Hilfsverben an, vielleicht auch mal Modalverben. Zudem bevorzugt er die Zeitform Perfekt. An dieser Stelle unterstreiche ich alle Verben und lasse jeden einzelnen Satz neu überdenken, umso die Aufmerksamkeit zu schulen. Das eigene Suchen passender, treffenderer Vollverben, die hinterher gemeinsam ausgewertet werden, ermöglicht einen ersten Zugang zur Wortart. Bei mir dürfen die Schüler gern mehrere passende Verben einsetzen, wobei hinterher zusammen ausgewertet wird.

 

Regel Nr. 1: Vollverben drücken eine Sache viel präziser aus. Der Leser weiß, was gemeint ist. Die Benutzung der Hilfsverben blockiert zudem den Lesefluss.

 

Regel Nr. 2: Den Perfekt benutzen wir in der Umgangssprache, das Präteritum gehört hingegen zur Schriftsprache.

Beispiel: Ich habe gestern meinen Freund besucht. = Perfekt

                Ich besuchte gestern meinen Freund. = Präteritum

 

 

»Wortspiel: Wer wird Wortstamm-Profi?«

 

  • Spielregeln
  • 60 Spielkarten zum Ausschneiden
  • 2 Spielkarten zum Selbstausfüllen

 

Ein Spiel zum Herunterladen

Umfang: 16 A4-Seiten

Schultyp: Förderschule; Grundschule - aber auch privat

Alter: 8 bis 99 Jahren

In kleinen Schritten beginnen

Mit Sprachspielen wird der Wortschatz aufgebaut. Darauf folgt am besten ein Bild, das eine Szene klar darstellt.

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(C) Sandra Gau

Fragen bahnen eine klare Struktur, um dem Kind den Zugang zu erleichtern. Folgendes könnte zum oben abgebildeten Bild passen:

 

  • Welche Tiere siehst du auf dem Bild?
  • Was machen sie?
  • Wieso könnte der Seehund im Schlamm feststecken?
  • Wie könnte der Seehund dahin gekommen sein?

 

Mögliche Gedankengänge:

 

  • Zwei Kühe stehen auf einer Weide, die aus einem schlammigen Boden besteht. Es scheint davor viel geregnet zu haben, denn nur wenige Grasbüschel erinnern an eine frühere grüne Wiese.
  • Der Seehund ist sogar darin versackt und kommt nur noch mit fremder Hilfe heraus. Seine Flossen sind nur Wasser und feste Untergrunde gewohnt. Der Boden der Koppel scheint schon ziemlich tief viel Wasser aufgenommen zu haben.
  • Der Seehund muss sich verlaufen haben, was gerade bei den jungen Tieren passieren kann. Ab hier ist jetzt das Allgemeinwissen gefragt, das eingesetzt werden kann: Eine Flutwelle kann das Tier herangeschwemmt haben. Als Ebbe war, irrte es herum und verlor endgültig die Orientierung.

 

Aus diesen Gedankengängen heraus kann die Fantasie der Kinder bereits entfacht sein, verwoben mit dem Hintergrundwissen könnte nun ein erster kleiner Text entstehen. wenn das Bild zu Ende beschrieben worden ist, bietet sich eine Überlegung an, wie und durch wen der Seehund nun aus dem Schlammassel herauskommt.

Der Besitzer der Kühe kann die nächste Seehundstation angerufen haben, ein Seehundjäger und vielleicht auch ein Tierarzt helfen der Robbe und bringen sie erst einmal in ihre Betreuungsstation. Dort wird er aufgepeppelt, um dann wieder in freier Bahn an der Nordsee bei den anderen Meeressäugern leben zu können.

Gedichtformen fördern das kreative Schreiben

Ein Bild zu beschreiben, ist eine Sache. Auch kleine Gedichtformen fördern die Schriftsprache.

Haiku und Elfchen stellte ich in diesem Blog bereits mehrfach vor. Es gibt aber noch viel mehr kleine Gedichtarten: Akrostichon, Diabolo, Schneeballgedicht sowie Rondell. Allesamt fördern das kreative Denken bei den Grundschülern und den Älteren.

 

Fazit:

Kinder müssen sich entwickeln, frei schreiben lernen können. Spielerisch bieten sich interessante Aufsatzübungen an, die Groß und Klein begeistern. Dabei sollte der Inhalt im Vordergrund stehen. Nur daran können die Kinder wachsen.

 

 

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