Leuchtturmtage von Anni Deckner

Wie ein Magnet wirkt der Leuchtturm auf Stella. Als würde er ihr die nächsten Lebensschritte auf den Wellen der Nordsee erleuchten. Es ist der Ort, an dem die Protagonistin in sich geht, begleitet vom rauen Wind und den Wogen, die es zu glätten gilt.

Rezension Leuchtturmtage Anni Deckner

 

 

Leuchtturmtage

Anni Deckner

 

Verlag: Forever by Ullstein

 ISBN: 978-3-95818-122-9

Seiten: 200

Erscheinungsdatum: 18. November 2016

E-Book: 3,99 €

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»Freundschaft ist wie ein Leuchtturm.

Hell leuchtet er von weitem, doch sein wahrer Sinn

wird erst durch Sturm und Dunkelheit offenbart.«

Verfasser unbekannt

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Worum geht es?

Nach fünfzehn glücklichen Jahren mit Holger steht die einstige Schönheitskönigin und zufriedene, korpulente Hausfrau Stella vor ihrem Ehe-Aus, und das kurz vor Weihnachten. Der Schock sitzt tief und will auch anfangs nicht so richtig bei ihr ankommen, weswegen sie ihr gemeinsames Haus weihnachtlich dekorieren möchte. Doch die bittere Wahrheit dringt in sie durch, als sie merkt, dass Holger es ernst meint, und so fährt sie kurzentschlossen mit ihrem Hab und Gut zu ihrem Bruder Sam nach Westerhever, der auf dem elterlichen Bauernhof lebt. 

Unterwegs begegnet sie auf verschneiten Straßen den Anhalter Hauke, den sie mitnimmt und auch ziemlich schnell in ihr Herz schließt. Als sie bei ihrem Bruder ankommt, packt sie direkt bei der Stallarbeit an und trifft auf diese Weise den charmanten Schulkameraden Michael wieder, der als Tierarzt tätig ist. Stellas Gefühlschaos ist nun perfekt. Sie muss sich entscheiden, mit wem sie einen Neuanfang starten möchte.


Sprache

Anfangs fühlte ich mich von jeder Zeile getragen, begleitet von tiefer Berührung um das Schicksal der Stella. Doch dann kamen in regelmäßigen Abständen die Blockaden, die durch die Aneinanderreihung kurzer Sätze (stellenweise einen ganzen Absatz lang) sowie störenden Wiederholungen den Lesefluss stockten. Einzig die Spannung, wie es mit der Protagonistin weitergeht, fesselte mich an den Roman.

Oft handelte es sich um Textstellen, die mit der Verwendung von Relativsätzen oder anderen stilistischen Möglichkeiten das Stocken aufgehoben hätten. Beispiel:

»Sie stellte einen Tee für Stella bereit. Sie nahm ihn dankend an.« [ Seite 329, E-Book]

 

Zudem gesellten sich auffallend viele Tippfehler dazu und auch die Zeichensetzung war nicht immer richtig. Beispiel:

»Besorgt eilte Stella herbei, um ihre Hilfe anzubieten.« [Seite 273, E-Book] = Die Konjunktion »um« leitet einen Infinitivsatz ein. Davor setzen wir ein Komma. »anbieten« ist ein zusammengesetztes Vollverb, demzufolge wird auch »anzubieten« zusammengeschrieben.

 

Zahlen erscheinen nicht als Wort und die wörtliche Rede klang an so manchen Stellen absolut unrealistisch. So spricht keiner:

»... Seine Anwesenheit war für mich äußerst nervig. Schmunzelnd sitzt er in Sichtweite und beobachtet mich seit Stunden, ...« [Seite 283, E-Book]


Meine Gedanken

Schon länger fiel mir der Autorenname Anni Deckner auf. Ich wollte unbedingt mal ein Buch von ihr lesen, weil sie in ihren Geschichten den Norden als Schauplatz nutzt, den ich persönlich recht rauh wahrnehme. Aus diesem Grund suche ich momentan gern Autoren heraus, die aus dem Bereich schreiben, um zu sehen, wie sie diesen Schauplatz mit Wärme füllen. Gabriella Engelmann gelingt dies hervorragend, doch leider spürte ich es kaum bei Anni Deckner. Hier hatte ich mich immer gefragt, was sie mit dem Leuchtturm verbindet - es fehlt einfach die Tiefe.

Ihre Figuren hingegen wuchsen mir sofort ans Herz, doch auch hier arbeitete sie zu oberflächlich. Stella findet Briefe von ihrer Mutter an deren Liebhaber. Hier wäre es passender, tiefgreifender gewesen, wenn die geschriebenen Zeilen auch abgedruckt werden und nicht nur ein kurzer Plot darüber erwähnt wird. Gut, über einen wichtigen Brief durfte der Leser informiert werden, das fand ich auch passend und klasse.

Über Sam, Michael oder Ramona erfährt man rein gar nichts. Sie haben doch auch Gedanken, Gefühle. Da hätte der Roman auch in der Ich-Form geschrieben werden können, vielleicht wäre dann mehr Tiefe in die Geschichte gekommen. Der Holger wird immer nur kurz erwähnt. Stella sah ihn für einen Moment, doch dann war er wieder weg und Seiten später wurde nur zusammenfassend über die Scheidungssituation berichtet. Schade! Dafür, dass sie ihn fünfzehn Jahre von Herzen liebte, kann sie ihn zwar verdrängen, doch sobald sie ihn sieht, kommen Gefühle hoch. Da könnte sie wütend sein oder sie spürt einen Kloß im Hals, Knie zittern, ... was auch immer.

 

Schön finde ich, dass jeder Kapitel einen Titel trägt, der auch immer den Kern des Geschehens anspricht. Mal abgesehen von den Stellen mit der Aneinanderreihung kurzer Sätze, schreibt Anni Deckner auch in einem leichten Stil, in dem man sich fallen lassen und genießen kann. Da bedauerte ich, dass nicht der ganze Roman so weitergeführt wurde.

 

Insgesamt ging ich im Vorfeld mit einer anderen Voraussetzung an den Roman heran.

Ich wollte eine weihnachtliche Geschichte lesen und wurde keineswegs vom angepriesenen Weihnachtszauber umgarnt. Im ersten Viertel wird stellenweise auf die Adventszeit eingegangen, doch dann war plötzlich Frühling und ruckzuck verging auch plötzlich ein Jahr. Die Tiefgründigkeit fehlte mir. So wurden die Lebensmittel für ihr Café im schlechten Zustand geliefert und der Ausgang der Episode wurde nur kurz zusammengefasst, obwohl Stellas neue Existenz auf dem Spiel stand. Schade!

Fazit

2,5 Sterne

 

Vom Weihnachtszauber war hier keine Spur. Der rasante Stil blockierte mich an zu vielen Stellen und hinterließ eine oberflächliche Struktur. Ich fand es sehr schade, dass die Autorin zu wenig auf ihre Figuren eingegangen ist, vieles nur angeschnitten hat. Das Gefühlschaos, die Trennung zum Ehemann, die geheimen Briefe der Mutter und so einiges mehr kam mir zu kurz. Unrealistisch wirkten so manche Dialoge, ganz zu schweigen von den vielen Tippfehlern. Dabei fand ich die Figuren so sympathisch und las eigentlich nur bis zum Ende, weil ich wissen wollte, wie es mit Sam weitergeht und wie Stella ihren neuen Alltag meistert.

Es war das erste Buch, das ich von Anni Deckner gelesen habe und es wird wohl leider das einzige bleiben, es sei denn, es kann mich jemand mal vom Gegenteil überzeugen.

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