Ostmodern von Nina Eggermann

Ostmodern zeigt die Mode zu DDR-Zeiten, gestaltet als ein Anziehpuppen-Buch, das sich auf die vier Jahrzehnte der DDR-Kleidung konzentriert. Eine Zeitreise, die ein Hauch von Nostalgie beim Blättern in mir hochsteigen lässt, vermischt mit Erinnerungen an die eigene Kleidung von damals. Sei es der meist geblümte Kittel, den die Muttis in den Küchen trugen, sowie der Schnurrbart oder der Seitenscheitel der Männer kommt ein innerlich schüttelndes Gefühl auf. Allein der Gedanke am Dederon verführt mich gleich zum Kratzen an den Beinen. Nichtsdestotrotz gab es auch schöne Stoffe sowie Schnitte, die länger hielten als manche Kleidungsstücke von heute.

 

DDR Mode, DDR Kleidung, Kittel aus der DDR, Kleidung aus der DDR

Ostmodern

Original DDR-Schick zum Ausschneiden und Anziehen

Nina Eggermann

 

Umfang: 48 Seiten

ISBN: 978-3-89479-631-0

Sprache: Deutsch

Preis: 4,95 €


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Mode und Geschmack waren schon immer zwei Paar Schuhe.

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Worum geht es ?

Die Illustrationen von Nina Eggermann entführen den Leser durch vier Jahrzehnte DDR-Mode. Die Kleidungsstücke und Accessoires präsentieren die damalige Modewelt zum Ausschneiden, Anprobieren sowie zum individuellen Kombinieren an einer vierköpfigen Puppenfamilie. Papierkleidung zum Erinnern und zum Austauschen.

Ein kurz gehaltenes Begriffslexikon erklärt in knappen Worten die wichtigsten Begriffe aus der DDR-Textilmode und schließt somit auch das Buch.

Meine Gedanken

Als ich das Buch in meinen Händen hielt, war ich im ersten Moment enttäuscht. Es liegt ein Bilderbuch vor mir, das wohl zum Basteln für Kinder gedacht ist oder vielleicht auch für Erwachsene? Im nächsten Moment schwelgte ich in alte Zeiten zurück, an meine Kinder- und Jugendzeit. Dieser Moment war schön. Das Vorwort, eine Seite lang, verfasst von der Geschäftsführerin des Berliner Modeinstituts Karin Günther, rüttelte einiges in mir wach. Wenn ich da nur an das Dederon, vergleichbar mit dem heutigen Polyamid, denke. Ein Stoff, das für Schürzen, aber auch als Unterrock oder auch als Strumpfhose seine Dienste leistete. Ich habe es als stromgeladenes Etwas in meinen Erinnerungen, das immer mit antistatischem Spray beruhigt werden musste.

Doch es war auch sehr nützlich im Alltag, beispielsweise »fleckenabweisend, ..., waschbar ohne einzulaufen, bügelfrei, ...«. Letzteres bot natürlich diverse Vorteile »Waschbar ohne einzulaufen« - okay, wenn ich es nicht zu heiß gewaschen habe, lief alles bestens. Ja, das Buch rief in mir nur allein durch das Vorwort und am Ende mit dem zu kurz gehaltenem Lexikon einige Erinnerungen hervor.

Doch so dachte ich aber auch an die vielen westdeutschen Bürger, die diese Zeit nur aus dem Fernseher, aus Büchern oder aus Erzählungen her kennen. Ich glaube, sie können nicht so sehr viel mit diesem Buch anfangen. Die vielen Bilder beschreiben zwar ohne Worte die Mode der DDR, aber wären doch historische Beiträge dazu um ein Vielfaches wertvoller gewesen.

Jetzt betrachte ich es mal aus der Sicht eines Kindergartenkindes oder älter. Sie können die Figuren und die Kleidungsstücke ausschneiden. Dabei wird gleich der Genauigkeit wegen die Motorik geschult. Hier werden sie durch die Ecken und Kurven doch gut gefordert, was nicht schlecht sein kann. Übung macht schließlich den Meister. Das ist die eine Seite.

Andererseits würde mich interessieren, ob unsere heutigen Kinder diese Kleidungsstücke überhaupt mögen? Wenn ich da nur an den Faltenrock denke. Hier müsste aus pädagogischer Sicht her das Kind gleich darauf vorbereitet werden, dass es Kleidung aus einer anderen Zeit ist. Hier wiederum müssten Eltern die DDR erklären. Und da hört es bereits auf.

Fazit

3 Sterne

Ich gebe das erste Mal nur drei Sterne und ich fühle mich dabei nicht gerade wohl. Doch die vollen fünf Sterne kann ich hier nicht vergeben. Zumal ich mich frage, für wen genau diese Zeitreise gedacht ist?

Wenn Kinder diese Figuren samt Kleidung ausschneiden, wissen sie hinterher nicht mehr aus welcher Zeit sie stammen, da es hinten nicht vermerkt worden ist. Sie können ihre Fantasie freien Lauf lassen, aber ist das das Ziel des Buches?

Für eine Zeitreise in die Mode-Landschaft der DDR sind die Bilder für die damaligen ostdeutschen Bürger eine wundervolle Erinnerung. Sie rufen alte Zeiten wach, regen zum Austausch an und sorgen so für humorvolle Stunden. Jedoch können die westdeutschen dabei nur zuhören.

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